23.06.2020 Ailsbacher Kläranlage vor dem Aus

23.06.2020 Ailsbacher Kläranlage vor dem Aus

Eine Überleitung des Abwassers nach Höchstadt kostet die Gemeinde Lonnerstadt auf Dauer weniger als eine Sanierung.
Die Genehmigung für die alte Kläranlage in Ailsbach ist abgelaufen. Die Marktgemeinde Lonnerstadt muss eine Entscheidung treffen, die wahrscheinlich auf einen Anschluss an die Höchstadter Kläranlage hinausläuft. Foto: Evi Seeger
Die Genehmigung für die alte Kläranlage in Ailsbach ist abgelaufen. Die Marktgemeinde Lonnerstadt muss eine Entscheidung treffen, die wahrscheinlich auf einen Anschluss an die Höchstadter Kläranlage hinausläuft. Foto: Evi Seeger

Die Marschrichtung ist ziemlich klar: Die Tendenz im Lonnerstadter Gemeinderat geht in Richtung einer Einleitung nach Höchstadt. Auch wenn in der Diskussion um die sanierungsbedürftige Ailsbacher Kläranlage eine gewisse Skepsis bei dieser Lösung nicht zu überhören war. Die Marktgemeinde ist jedoch gehalten, die wirtschaftlichste Lösung umzusetzen. In dieser Hinsicht waren die Zahlen der neuen Studie von Ingenieur Georg Schreiber eindeutig.

In der Schulturnhalle präsentierten die Höchstadter Tiefbauexperten Schreiber und Schöfer (Maier-Ingenieure) aussagekräftige Zahlen. Bei den Investitionskosten würde eine Sanierung der alten Ailsbacher Tropfkörper-Anlage noch relativ gut abschneiden: Mit 994 800 Euro wäre die Kläranlagensanierung nur geringfügig teurer als der Bau einer Druckleitung von Ailsbach nach Lonnerstadt. Von der dortigen Übergabestation könnte das Abwasser aus Ailsbach in die Höchstadter Abwasseranlage eingeleitet werden. Die Druckleitung und der Anschluss nach Höchstadt würde die Marktgemeinde 935 200 Euro und damit etwa 60 000 Euro weniger kosten.

Höhere Folgekosten

Anders sieht es jedoch bei den Folgekosten für den Betrieb einer eigenen sanierten Anlage aus. An laufenden Kosten wären laut Schreiber bei der eigenen Anlage rund 65 000 Euro jährlich und damit etwa doppelt so viel wie bei der Einleitung in das Höchstadter System zu erwarten.

Nur bei Umsetzung der wirtschaftlichsten Lösung kann die Gemeinde auf eine staatliche Förderung hoffen. Wenngleich die den Zuschüssen zugrunde liegende “RZWas” (Richtlinie zur Förderung wasserrechtlicher Vorhaben) derzeit ausgesetzt sei, wie Bürgermeisterin Regina Bruckmann (FW) wissen ließ. Sie geht jedoch davon aus, dass die staatlichen Stellen bei dem Antragssturm “den Zeitdruck herausnehmen wollen” und die Förderung bald wieder zum Laufen kommt. Dass bei größeren Kläranlagen in der Regel auch das erforderliche Know-how durch die Beschäftigung von Abwassertechnikern vorhanden ist, dürfte bei der Entscheidung ebenso eine Rolle spielen. Ob Lonnerstadt diese Anforderungen künftig zu leisten imstande wäre, stellte Bruckmann infrage. In diesem Fall wäre vielleicht sogar zusätzliches Personal nötig. Denn was in Zukunft an gesetzlichen Anforderungen auf die Abwasseranlagen zukommt, stehe ohnehin in den Sternen, meinte nicht nur Markus Lenk (FW).

Dazu dürfte, wie Ingenieur Schreiber anführte, ein weiteres Hauptthema die Betreiber von Kläranlagen beschäftigen: die künftige Entsorgung des Klärschlamms, der nicht mehr in der Landwirtschaft ausgebracht werden darf.

Nur am Rande wurde über einen – von Giovanni Daniele (CSU) gestellten – Antrag gesprochen. Er hatte eine Abwasserleitung nach Buchfeld und von dort über Weingartsgreuth in die Wachenrother Anlage angeregt. Abgesehen davon, dass eine solche Leitung nach Prüfung durch die Ingenieure “unwirtschaftlicher” wäre als die nach Höchstadt, gab Dritter Bürgermeister Gerrit Hoppe (FW) noch einen anderen Aspekt zu bedenken: “Wir rechnen mit Höchstadt ab. Ich hole mir doch nicht noch einen Dritten ins Boot.”

Spannender scheint jedoch Danieles Frage nach den Kapazitäten. Ob denn die auf 2700 Einwohnerwerten basierende vertragliche Einleitungsmenge ausreiche, wenn die neuen Gewerbegebiete dazukämen. Da dies von der Art der Gewerbebetriebe abhängt, konnte auch der Experte darauf keine abschließende Antwort geben.

Aktuell sei Lonnerstadt mit 2200 Einwohnerwerten eingestuft, erklärte auf Nachfrage Bürgermeisterin Bruckmann. Künftige Gewerbebetriebe seien darin noch nicht berücksichtigt. Höchstadt rechne nach der tatsächlich eingeleiteten Abwassermenge ab. Im Jahr 2018 habe Lonnerstadt 133 717 Kubikmeter Abwasser nach Höchstadt geschickt und dafür etwas über 60 000 Euro bezahlt.

Der Blick in die Zukunft und eine mögliche Erhöhung der Einleitungskapazität werden auch Schwerpunkte der Gespräche sein, die Bruckmann jetzt mit Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL) führen will. Die Entscheidung soll in der nächsten Sitzung fallen.

https://www.infranken.de/lk/gem/ailsbacher-klaeranlage-vor-dem-aus-art-5017043

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